Coaches sehen eigentlich direkt, was beim Training läuft. Dennoch erkennen sie gefährdende Verhaltensweisen oft nicht. | Foto: Yuval Zukerman / Unsplash

In den letzten Jahren sind zahlreiche Fälle von Gewalt im Schweizer Sport bekannt geworden. Es wäre an den Coaches, das gewalttätige Verhalten zu bemerken und zu melden. Allerdings erkennen sie dieses oft nicht, wie eine Studie der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen herausfand.

Die fast 150 befragten Coaches sollten dafür Beschreibungen von Szenarien als gewalttätig oder harmlos einordnen, die teilweise auf realen Vorfällen beruhten. In 30 Prozent der Fälle wurde dabei Gewalt nicht erkannt.

«Weil das Gewinnen oft im Vordergrund steht, gelten im Sport gewisse problematische Verhaltensweisen als normal.»Laurie Schwab

Besonders häufig übersehen: Vernachlässigung − eine Form von Gewalt, die sich zum Beispiel darin äussert, dass keine Rücksicht auf Verletzungen genommen wird. Erstautorin Laurie Schwab sieht das Problem im System: «Weil das Gewinnen oft im Vordergrund steht, gelten im Sport gewisse problematische Verhaltensweisen als normal.»

Wichtige erste Schritte seien zwar gemacht, doch bis zu einem echten kulturellen Wandel sei der Weg noch weit.

L. Schwab et al.: Exploring Coaches’ Responses to Interpersonal Violence in Sport: Recognition, Severity Perception, and Likelihood of Reporting. Journal of Interpersonal Violence (2026)