VETERINÄRMEDIZIN
Welche Pferde sich mittels Nasenbremse beruhigen lassen
Eine Schlinge um die Lippe beruhigt Pferde bei kleinen medizinischen Eingriffen – wenn deren Persönlichkeit dafür passt.

Die Nasenbremse kann medikamentöse Beruhigungsmittel ersetzen | Foto: ZVG
Eis auf der Stirn kann bei Kopfweh helfen, Elektrostimulation am Bauch bei Menstruationsbeschwerden. Das in der Schmerzforschung bekannte Phänomen besagt: Wenn zwei schmerzhafte Reize gleichzeitig wirken, wird der einzelne weniger wahrgenommen. Ein Team der Vetsuisse-Fakultät Bern hat nun gezeigt, dass das Prinzip auch bei manchen Pferden funktioniert.
Die Nasenbremse ist eine Schlinge, die − wie ein Haargummi um einen Zopf − um die Oberlippe des Pferds gebunden wird. In der Pferdemedizin wird diese Massnahme üblicherweise bei kleinen Eingriffen angewendet. Sie lenkt die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Behandlung ab und wirkt auf einige Pferde beschwichtigend, sodass auf medikamentöse Beruhigungsmittel verzichtet werden kann. Die Forschungsgruppe von Claudia Spadavecchia untersuchte nun, ob die Tiere mit der Nasenbremse Stress und Schmerzen haben. Das Resultat: Die zehn untersuchten Pferde zeigten mildes bis moderates Stress- und Schmerzverhalten, zum Beispiel indem sie vermehrt die Ohren nach hinten stellten, den Kopf unruhig bewegten oder mit den Vorderbeinen tänzelten. Allerdings beobachtete Spadavecchia auch, dass sich die Tiere je nach Persönlichkeit anders verhielten. Mittels Fragebogen wurde durch die jeweilige Betreuungsperson der Charakter der Tiere bestimmt.
Und tatsächlich: Neurotische Pferde, die durch Ängstlichkeit charakterisiert wurden, zeigten mehr Stresssignale und verharrten eher in bewegungslosem Zustand – dem Freezing. Umgekehrt waren die Aufgeschlossenen weniger gestresst und der Massnahme gegenüber resilienter. Extrovertierte Pferde wiederum tolerierten die Bremse gar nicht erst. Für Spadavecchia ist klar: «Basierend auf unserer Studie kann ich die Nasenbremse bei kleinen Eingriffen empfehlen, wenn das Pferd diese gut toleriert. In unserem Versuch waren das vor allem die aufgeschlossenen Pferde.» Es sei daher wichtig, den Charakter des Tiers zu kennen.