Entschleunigt mit KI-Suchmaschinen
Odoma: Spin-off der EPFL
gegründet: 2017
aktuell: zwischen Seed und Early Stage

«In der IT-Branche gilt: Setze auf ein einzelnes Produkt oder stirb. Ich mag, dass wir bei Odoma genau das nicht tun.» Giovanni Colavizza ist einer der beiden Gründer des Spin-offs, das Horizonte 2020 vorgestellt hat und das mit KI massgeschneiderte Suchmaschinen für Institutionen wie Museen oder Bibliotheken entwickelt. Mitgründer ­Laurent Bolli bestätigt: «Wir nehmen nur Aufträge zu Problemen an, für die es keine kommerzielle Lösung gibt.» Beide forschen noch an Hochschulen und engagieren sich bei Odoma lediglich in einem 30-Prozent-Pensum. Das Ziel sei aber, daraus Vollzeitstellen zu machen, sagt Colavizza.

«Wir nehmen nur Aufträge zu Problemen an, für die es keine kommerzielle Lösung gibt.»­Laurent Bolli

2023 war das beste Jahr in der Geschichte des Spin-offs gewesen: Noch nie habe es so viel Einnahmen generiert. Langsam brauche das Unternehmen, das seit 2017 allein aus den beiden Gründern besteht, ein kleines Team. Odoma befindet sich gewollt auch nach sieben Jahren noch in der Anfangsphase eines Start-ups. Bolli, der früher ein eigenes Unternehmen mit 25 ­Angestellten geführt hat, weiss, welche Belastung das sein kann, und wollte vorsichtig ausbauen. Für Colavizza dürfte es zwar schneller vorangehen, aber auch er ist überzeugt: «Es ist wichtig, immer in Balance zu bleiben und einfach die Erfahrung zu geniessen.»

Aufholjagd bei Antibiotikaresistenzen
Resistell: Spin-off der EPFL
gegründet: 2016
aktuell: Growth Stage

«Diese verdammte Pandemie!» Grzegorz Gonciarz, operativer Manager der ersten Stunde bei Resistell, erinnert sich daran, wie Lockdowns und überlastete Spitäler das Spin-off 2020 vom Himmel holten. «2019 haben wir die Freigabe der Ethikkommission für unsere klinischen Studien bekommen.» Dann kam Corona. Die Tests von Resistell, die Antibiotikaresistenzen rasch nachweisen können, ­wurden in den gleichen Labors wie die Covid-Tests ausgewertet. Die Spitalmitarbeitenden haben daher die Studie unterbrochen, um die Behandlung von Covid-Patientinnen im Lausanner Universitätsspital (Chuv) bewältigen zu können.

«Unsere Angestellten wollen wissenschaftliche Probleme lösen. Wenn sie dabei noch Menschenleben retten können, umso besser.»Grzegorz Gonciarz

Das Unternehmen, das Horizonte Ende 2019 vor­gestellt hat, hat die Krise überlebt und ist jetzt auf Aufholjagd: rund 30 Angestellte, 50 Geräte in Anwendung, zwei laufende klinische Studien zu Sepsis mit insgesamt über 450 Patienten. Während der Pandemie konnte sich das Team zudem auf das Einholen von Fördergeldern und die Iso-Zertifizierung konzentrieren, beide entscheidend für die baldigen weiteren Feldtests für Sepsis, Harnwegs­infektionen und Tuberkulose. «Die Mehrheit unserer Angestellten sind Forschende», sagt Gonciarz, «sie wollen wissenschaftliche Probleme lösen. Wenn sie dabei noch Menschenleben retten können, umso besser.»

Wasserreiniger auf Mission
Oxyle: Spin-off der ETH Zürich
gegründet: 2020
aktuell: Growth Stage

«Wir sind durch die schmerzhafte Phase hindurch.» Fajer Mushtaq, Mitgründerin von Oxyle, spricht vom vergangenen Jahr, als sie das Team von rund 20 Leuten reorganisieren musste – etwa die Ein­teilung in ein Produkteteam, ein Operationsteam und ein Verkaufsteam. «Nicht alle mögen Veränderungen, aber es musste getan werden. Man muss immer das grosse Ganze im Auge behalten.» Das 2020 gegründete und von uns bereits 2021 vorgestellte Spin-off hat einen Katalysator aus nanoporösem Material für die Wasserreinigung so weit gebracht, dass er nach dem industriellen Pilotversuch im Jahr 2023 nun in vollem Umfang bei einer Chemiefirma getestet werden kann.

«Die Arbeit in Start-ups ist nicht einfach, aber der Glauben an den Sinn macht die Anstrengungen wert.»Fajer Mushtaq

Mitgründer Silvan Staufert freut sich über den Meilenstein und über die Freude der Kunden: «Normalerweise reden sie nicht gerne über ihre Schmutzecken, aber jetzt, da es eine Lösung gibt, schon.» Nachdem sich Oxyle zunächst auf die Eliminierung von Pharmazeutika und Pestiziden konzentriert hatte, setzt das Unternehmen inzwischen auf die sogenannten ewigen Chemikalien (PFAS). Etwas für Mensch und Umwelt zu tun, ist die Hauptmotivation, wie Mushtaq erzählt: «Wir lieben unsere Mission. Die Arbeit in Start-ups ist nicht einfach, aber der Glauben an den Sinn macht die Anstrengungen wert.»

Mit Identifizierung weiterwachsen
PXL Vision: Spin-off der ETH Zürich
gegründet: 2017
aktuell: Expansion Stage

«Heute passiert ganz viel im Unternehmen, ohne dass ich überhaupt involviert bin. Also sind wir auf dem richtigen Weg.» Karim Nemr, Mitgründer von PXL Vision, ist überzeugt, dass die Transformation des Spin-offs in ein stabiles Unternehmen dann gelungen ist, wenn er selbst vollständig ersetzt werden kann. In sieben Jahren ist PXL Vision von vier Angestellten auf 50 angewachsen, von einer Handvoll Kunden aus den Bereichen Telekommunikation und Swiss ID auf rund 50 Kunden aus weiteren Bereichen wie Versicherung, Finanzdienstleistung, Online-Marktplätze.

«Vergesst nicht eure bestehenden Kunden!»Karim Nemr

Das Spin-off ist spezialisiert auf die digitale Verifizierung von Identität, insbesondere auf effektive Betrugserkennung. Es hat eine Datenbank von bekannten Betrügern aufgebaut. Die Orte, wo diese Technologie gebraucht wird, sind inzwischen schier unendlich – so etwa in der Altersprüfung. Nemr hat aber seit 2020, als PXL Vision von Horizonte vorgestellt wurde, auch schwierige Zeiten erlebt. Doch die gefährliche Klippe sehr raschen Wachstums ist umschifft, und er hält einen Tipp für diese akute Phase bereit: «Vergesst nicht eure bestehenden Kunden! Wenn man als kleines Unternehmen neue Wachstumsinitiativen angeht, wird oft das Potenzial bei der bestehenden Basis unterschätzt.»

Später Erfolg mit Computerspielen
Treasure Hunt: Projekt der Universität Zürich
gegründet: 2008
aktuell: Exit Stage

«Ich kann mein Baby problemlos abgeben. Es ist schön, dass es weitergeht.» Veronika Brezinka schaut zufrieden auf den Werdegang ihres 16 Jahre alten Projekts zurück. Damals entwickelte sie mit einem Budget von nur 25 000 Franken und der Mitarbeit von acht Freiwilligen das Computerspiel «Schatzsuche» für den Einsatz in der Psychotherapie von Kindern. 2012 doppelte sie mit ­«Ricky und die Spinne» für die Behandlung von Zwangsstörungen nach. Sie wollte junge Forschende dazu inspirieren, wissenschaftlich fundierte Spiele für die Therapie zu entwickeln. «Ich war enttäuscht, als das nicht passierte.» Ihre Angebote blieben international die einzigen ihrer Art, wobei sie durchgehend von Fachleuten heruntergeladen wurden. Das war auch der Stand 2021, als wir das Projekt in Horizonte vorstellten.

«Ich wollte Jungs besser für die Psychotherapie motivieren.»Veronika Brezinka

Inzwischen ist Brezinka pensioniert, und ausgerechnet jetzt erwirbt der grösste deutsche Psychologieverlag von der Universität Zürich die Lizenz für die Spiele, um sie neu zu produzieren. Zwar wird Brezinka nur ein Prozent der Verkaufseinnahmen bekommen, doch: «Geld war nie meine Motivation. Ich wollte Jungs besser für die Psychotherapie motivieren und Psychotherapeuten unterstützen, die oft Angst davor haben, Zwangsstörungen zu behandeln.»

Gescheiterte Raumfahrt
Swiss Space Systems: Start-up aus Payerne
gegründet: 2012
aktuell: aufgelöst

«Wir möchten den Zugang ins All demokratisieren.» So beschrieb der Pressesprecher von Swiss Space Systems 2015 auf Space News die Mission des Start-ups, das buchstäblich sehr hoch hinaus wollte und einst rund 70 Mitarbeitende hatte. Das Ziel: die Entwicklung eines Raumschiffs, das kleine Satelliten in den Orbit bringen kann. Es gab viel Medienberichterstattung über das Unternehmen, auch in Horizonte. Der spätere Absturz der Firma ist ein Hinweis darauf, wie hoch der Druck in der Start-up-Welt sein kann.

«Wir möchten den Zugang ins All demokratisieren.»Pressesprecher von Swiss Space Systems

Ende 2016 wurde das Start-up für bankrott erklärt. Es könnte auch ein Beispiel von Fälschung sein. Der Gründer war im Sommer desselben Jahres bei einem Brandanschlag auf sein Auto verletzt worden. Bis heute sind die Vorgänge unklar. Unter anderem waren Zweifel an der Echtheit einer Bankgarantie für das Unternehmen laut geworden. Später eröffnete die Freiburger Justiz ein Strafverfahren gegen ihn wegen des Verdachts, dass er die Attacke selbst veranlasst hatte. Es gilt die Unschuldsvermutung. Der Gründer konnte für diesen Beitrag nicht ausfindig gemacht werden.

Illustrationen: Ikonaut