Nahaufnahme eines Uhrwerks

«Ein Wendepunkt zu modernerer Foto­grafie», so der Kommentar von Bildredaktorin Lisa Schneider zu dieser Makroaufnahme eines Uhren-Innenlebens. | Foto: Patek Philippe

Schönste Titel

Jeder auf seine Art ein perfekter Match

Love me Tinder

Elvis Presley und die beliebteste Dating-App der 2010er-Jahre feiern in Horizonte 135 (2022) Traumhochzeit. Es geht im Artikel um Paare, die sich über den Matchmaker kennengelernt haben.

Mutterseelen allein

Horizonte 36 (1998) beschäftigt sich damit, wie es Müttern nach der Geburt geht. Das Wortspiel trifft genau, wo es wehtut.

Den Himmel im Auge, die Schritte im Kopf

In Horizonte 11 (1991) geht es um den inneren Kompass und das sehr gute Gedächtnis von Wüstenameisen. Der poetische Titel weckt grosse Bilder zum kleinen Thema.


«Wie schmuck etwas sein kann, das bei mir sonst Abscheu weckt!»

So Judith Hochstrasser über das von Wassertropfen umhüllte Knäuel eines Spinnennetzes in der 1500-fachen Vergrösserung eines Elektronenmikro­skops von 1993. Das Bild des Covers der 16. Ausgabe überzeugt auch Florian Fisch, die zweite Hälfte der Redaktionsleitung: «Ich finde diejenigen Cover am schönsten, bei denen ich nicht ganz verstehe, was ich sehe, aber wohl trotzdem nicht ganz danebenliege.»

«Das Machbare sticht das Nützliche aus»

Das ist «typisch Nullerjahre», findet Tobias Peier, Co-Leiter des Grafikdesignbüros Bodara, das Horizonte seit 2020 gestaltet. Zum Titelblatt mit jeweils zwei unter­schied­lichen Bildern oben und unten aus der Zeit von 1998 bis 2012 sagt er: «Die Linie oben trennt das Diffuse vom Konkreten – eigentlich ein passendes Symbol, dennoch bin ich bei diesen Cover oft etwas ratlos, worum es denn im Inhalt gehen könnte.»

«Es zeigt Mut zur Veränderung»

Die Horizonte-Bildredaktorin Lisa Schneider begründet die Wahl ihres Lieblingscovers aus der dritten Layout­serie so: «Das erste fotografierte Porträt auf einem Horizonte-Cover markiert einen neuen Abschnitt der Magazingeschichte. Die Inszenierung überrascht, zieht sofort Aufmerk-samkeit auf sich und macht neugierig auf die Titelgeschichte.»


Fragwürdige Titel

Dies würde heute zu Diskussionen führen

Alle Menschen sind Brüder … und Schwestern

Im Lead steht dazu ausserdem noch: «Ob Eskimo oder Pygmäenfrau, ob Schweizerin oder Chinese: Alle Menschen sind verwandt.» Die Wortwahl im Bericht über Gendatenbanken in Horizonte 15 (1992) entlarvt eine überholte Denkweise mit Bezeichnungen, welche die Redaktion heute nicht mehr wählen würde.

Autisten können fühlen lernen

Der Titel einer News aus Horizonte 90 (2011) impliziert, dass Kinder mit Autismus keine Emotionen haben. Natürlich ist eigentlich Empathie gemeint. Ein sehr unsensibler Fehler.

Den Krieg zivilisieren

Als wäre das möglich! In Horizonte 84(2010) wird betont, wie wichtig das humanitäre Völkerrecht in bewaffneten Konflikten ist. Damit sind wir auch heute voll und ganz einverstanden. Die Wortwahl im Titel suggeriert jedoch, dass Krieg zivilisiert werden kann. Wirklich?


«Ich habe mich über die Machart gewundert. Rendering? Foto von einer Puppe? Heute wäre es wohl KI.» Das Modell eines Neandertalerkindes ist Horizonte-Bildredaktorin Lisa Schneiders Favorit. Es wurde 1999 von Forschenden und einer Kunsthandwerkerin kreiert. | Bild: Hans-Christian Wepfer

«Zuerst sehe ich eine Hautlandschaft, vielleicht die feinen Details einer Narbe, dann verstehe ich die Dimension. Eine verrückte Grössenverwirrung!» Grafik­designerin Helene Leuzinger gefällt die Welt­raumperspektive auf Mars und Sonde Phoenix von 2008 besonders. | Bild: University of Arizona/JPL/Nasa

Eine ganz präzise Unruh aus Silizium ertüftelten 2012 Schweizer Forschende. Erlesen ist auch die Bildqualität. «Ein Wendepunkt zu modernerer Foto­grafie», so Schneider. | Bild: Patek Philippe

Bei Interlaken und Jungfraujoch schiessen Menschen Fotos von der Natur, je tiefer pink, desto häufiger. Das Bild von 2024 kombiniert Geolokalisation und KI. Ein Zeitzeuge des aktuellen Fotografierwahns.

Seit 2017 der SNF-Bilderwettbewerb gegründet wurde, erscheinen in Horizonte Fotos daraus. Leuzinger schwärmt: «Diese mikroskopische Schönheit in aller Komplexität! Ich hätte mir Vitamin C niemals so vorstellen können.» | Bild : David Kubon


Bizarre Titel

Hier wird eine Nummer zu gross angerichtet

Gott in der Gurke

Ein Stillleben bekommt in Horizonte 58 (2003) ordentlich Bedeutung.

In den Tabletten steckt auch Wissenschaft

Was denn sonst? Fragt man sich zur Schlagzeile in Horizonte 22 (1994).

Steinadler in den Alpen: Das Boot ist voll

Horizonte 5 (1989) strapaziert die Metapher zu Flüchtlingen wirklich arg.