Cornelia Fürstenberger | Foto: Flavio Leone

«Es entsteht etwas, das weder die Wissenschaft noch die Industrie hervorgebracht hätten»
Cornelia Fürstenberger, Technologietransfer-Managerin, Universität Basel
Ausbildung: Doktorat in Pharmaziewissenschaften und Toxikologie

«Wie werden aus Forschungsergebnissen marktfähige Produkte? Dafür baue ich Brücken zwischen zwei sehr unterschiedlichen Systemen: der Universität und der Wirtschaft. Die Uni hat den Auftrag, Wissen zu generieren und zu veröffentlichen. Das geschieht üblicherweise in einem sehr frühen Entwicklungsstadium einer Erfindung. Die Industrie hingegen ist stark ressourcen- und marktorientiert und interessiert sich für reifere Technologien. Deshalb ist oft ein früher Schutz der Erfindung eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Was ich darum den Forschenden sage: Kommt früh genug zu uns! Wenn ihr eure Resultate schon publiziert habt, lassen sie sich nicht mehr patentieren. Für viele Forschende ist es ungewohnt, sich aus ihrer Denkwelt zu lösen und wirtschaftliche Perspektiven einzunehmen. Als Technologietransfer- Managerin bewege ich mich in beiden Welten, habe akademische Wurzeln – und Erfahrung in der Industrie. Das hilft.

«Forschende reichen uns eine Erfindungsmeldung ein, wir prüfen sie zusammen.»Cornelia Fürstenberger

Meine Aufgabe ist es, das Potenzial der Arbeit der Forschenden zu erkennen, spannende Ergebnisse zu schützen und sie in der Umsetzung bis zum Proof of Concept zu begleiten. Im Mittelpunkt stehen Vertragswesen und der Schutz geistigen Eigentums. Forschende reichen uns eine Erfindungsmeldung ein, wir prüfen sie zusammen: Nur Erfindungen mit kreativem Neuheitswert sind schützbar – also neue technologische Lösungen. Wer etwa einen bislang unbekannten Naturstoff entdeckt, kann ihn nicht patentieren. Entwickelt man daraus ein neues Verfahren oder Produkt, hingegen schon.

Für die Weiterentwicklung unterstützen wir bei der Suche nach einem Industriepartner oder die Gründung eines Spin-offs. Ich betreue Projekte aus den Lifesciences – von Malariaforschung bis Zelltherapie. Das bringt spannende Gespräche mit sich. Jedes Jahr schliessen wir Hunderte Kooperationsverträge ab und stellen der Industrie Technologien über Lizenzvereinbarungen zur Verfügung. Es begeistert mich, wenn etwas entsteht, das weder die Wissenschaft noch die Industrie allein hervorgebracht hätten.» kr

 

Jonas Nakonz | Foto: Flavio Leone

«Ein negatives Wort kann einen ganzen Lebenslauf zerstören»
Jonas Nakonz, externer Ombudsmann, ETH Zürich
Ausbildung: Master in vergleichenden und internationalen Studien

«Ich sehe vor allem Konflikte zwischen Professoren und Doktorierenden – eine der verletzlichsten Beziehungen im akademischen System. Das Machtgefälle ist gross, und viele Doktorierende ertragen belastende Situationen aus Sorge um ihre Karriere lange. Diese Angst ist oft begründet, denn ein negatives Wort einer einflussreichen Person kann einen Lebenslauf zerstören. Als externer Ombudsmann bin ich eine vertrauliche Anlaufstelle für Menschen an Hochschulen, die in Auseinandersetzungen stecken oder sich mit unangemessenem Verhalten konfrontiert sehen.

Wichtig: Alles, was ich höre, bleibt bei mir. Nicht einmal unter den Ombudspersonen tauschen wir Fälle aus. Mein Ziel ist, dass Ratsuchende sicherer in schwierigen Situationen navigieren können. Ich begleite auch Konfliktgespräche. Dazu braucht es primär schnelle Auffassung und ein empathisches Herz.

«Am meisten frustriert mich, wenn mir die Hände gebunden sind, weil Betroffene kein Einverständnis zum Handeln geben.»Jonas Nakonz

Leider erlebe ich es häufig, dass Menschen erst dann zu mir kommen, wenn die Dynamiken schon so eskaliert sind, dass wir kaum noch etwas reparieren und nur noch an einer guten Trennung arbeiten können. Dabei wäre eine frühe Beratung eine Chance zur Deeskalation. Ich möchte auch strukturelle Probleme sichtbar machen. Dazu stehe ich im Austausch mit Leitungen, Doktoratsstellen und Gremien und weise darauf hin, wo systemische Ursachen zu Konflikten führen.

Über Jahrzehnte spielte etwa Leadership bei der Auswahl von Professorinnen kaum eine Rolle. Das ändert sich, aber es braucht mehr – klare Guidelines, Unterstützung der Führungspersonen und eine Kultur des offenen Dialogs. Wir haben an der ETH Zürich rund 130 Fälle pro Jahr. Am meisten frustriert mich, wenn mir die Hände gebunden sind, weil Betroffene kein Einverständnis zum Handeln geben. Manchmal sind die Risiken für sie zu gross. Trotzdem erlebe ich immer wieder, dass Konflikte gelöst werden. Diese Momente geben mir Energie.» kr

 

Manuel Fischer | Foto: Flavio Leone

«Am meisten Wirkung sehe ich, wenn Menschen anfangen, miteinander zu arbeiten»
Manuel Fischer, Leiter Nachhaltige Entwicklung Berner Fachhochschule
Ausbildung: Master in Globalisierung, Umwelt und gesellschaftlicher Wandel

«Nachhaltigkeitsthemen lösen vermehrt harsche Reaktionen aus, gerade in sozialen Medien. Einige Forschende überlegen zweimal, ob sie sich öffentlich dazu äussern. Die Radikalisierung hat aber auch eine Gegenbewegung ausgelöst. Viele Menschen sehen deutlicher denn je, wie dringlich die gesellschaftlichen Krisen geworden sind – und engagieren sich stärker. Jetzt entscheidet sich, in welche Richtung wir gehen wollen.

Mein Auftrag ist es, Nachhaltigkeit in der Berner Fachhochschule fest zu verankern: in Forschung, Lehre, Betrieb und Zusammenarbeit mit der Gesellschaft. Neben Klimaschutz betrifft dies auch soziale und wirtschaftliche Aspekte wie Inklusion, Chancengerechtigkeit und Verantwortung.

«Nachhaltigkeit verlangt eine systemische Perspektive.» Manuel Fischer

Ein grosser Teil meiner Arbeit besteht darin, Menschen zusammenzubringen. Nachhaltigkeit verlangt eine systemische Perspektive. Ingenieurinnen, Sozialwissenschaftler, Ökonominnen, Forstexperten, Planerinnen müssen miteinander arbeiten, um praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Ich und mein Team organisieren unter anderem Workshops und Vernetzungstage, an denen Forschende über Disziplingrenzen hinweg ins Gespräch kommen.

Wir unterstützen auch inter- und transdisziplinäre Projekte zur Vermeidung von Foodwaste an Tagesschulen. Da sind Ernährungs-, Verhaltens- und Lebensmittelwissenschaften sowie Pädagogik beteiligt. Oder inklusives Wohnen, wo Architektur und soziale Arbeit zusammenkommen. Am meisten Wirkung sehe ich, wenn Menschen anfangen, miteinander zu arbeiten. Besonders freue ich mich über den Hub für studentisches Nachhaltigkeitsengagement, den wir hochschulübergreifend aufgebaut haben. Studierende bringen viel Energie und kreative Ideen ein: etwa eine Plattform für einen Kinderveloverleih, um Familien zu entlasten.» kr

 

Oksana Riba Grognuz | Foto: Flavio Leone

«Viele zögern damit, ihren Programmcode zu teilen, weil sie befürchten, er sei nicht vorzeigbar»
Oksana Riba Grognuz, Leiterin für Zusammenarbeit bei Open Research Data am Swiss Data Science Center (SDSC)
Ausbildung: Doktorat in Bioinformatik

«Wir hören häufig, dass ein grosser Druck besteht, Ergebnisse zu publizieren. Und dass dabei zu wenig Zeit bleibt, um Daten zu sammeln, zu verwalten und zu strukturieren, obwohl das extrem wichtig ist. Viele Forschende zögern damit, den während ihrer Forschung erstellten Programmcode zu teilen, weil sie befürchten, er sei nicht konform, oder weil sie denken, er sei nicht vorzeigbar. Mein Team führt ein Pilotprojekt durch, um Wege zu finden, wie man den Impact des Codes besser messen und hervorheben kann. Dessen höhere Sichtbarkeit hilft dabei, seine wissenschaftliche Qualität und sein Innovationspotenzial zu bewerten, insbesondere für Förderentscheide.

Beim SDSC unterstützen wir Unternehmen, NGO, Hochschulen oder Spitäler. Ein Grossteil unserer Tätigkeit betrifft die Biomedizin, wo wir uns aufgrund der sensiblen Daten am Grundsatz «so offen wie möglich und so geschlossen wie nötig» orientieren.

«Wenn zum Beispiel der Code einer Software, die das Herz scannt, offengelegt wird, kann dies dessen wissenschaftlichen Wert steigern.»Oksana Riba Grognuz

Wenn zum Beispiel der Code einer Software, die das Herz scannt, offengelegt wird, kann dies dessen wissenschaftlichen Wert steigern und seine Reichweite vergrössern, weil er wiederverwendet werden kann. Eine solche Software kann jedoch nur entwickelt werden, wenn qualitativ hochwertige Daten zugänglich sind, die natürlich sensibel sind. Deshalb schaffen wir intuitive, schnelle Plattformen, welche die notwendigen Verfahren umfassen, um auf sensible Daten verantwortungsvoll und gesetzeskonform zugreifen zu können.

Im Sinne eines partizipativen Ansatzes organisieren wir auch Veranstaltungen, bei denen sich Leute aus Wissenschaft und Praxis austauschen können. Am glücklichsten bin ich, wenn ich das Leuchten in den Augen von Forschenden sehe, die entdecken, dass ihre Arbeiten auch ausserhalb des Labors anerkannt und weiterverwendet werden. Wir ermutigen sie stets, ihre Daten oder Analyseinstrumente zu teilen. Dadurch wird ihre Arbeit aufgewertet und ein Dialog mit den Nutzniessenden geschaffen. Das Zentrum fördert die Weiterverwendung von bestehenden Werkzeugen und Plattformen, aber auch die Entwicklung derjenigen, die fehlen. All dies dient der kontrollierten Verbreitung von Daten.» ra

 

Viviane Premand | Foto: Flavio Leone

«Integrität festigt das Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaft»
Viviane Premand, Leiterin des Kompetenzzentrums für wissenschaftliche Integrität Schweiz (KWIS)
Ausbildung: Doktorat der Rechtswissenschaften und Rechtsanwältin

«Seit dem 1. Dezember 2025 leite ich das neue Kompetenzzentrum für wissenschaftliche Integrität. Das Thema liegt mir als promovierter Rechtswissenschaftlerin und Rechtsanwältin grundsätzlich sehr am Herzen. Mit dem neuen Zentrum können Forschende in der Schweiz nun bei diesen immer wichtiger werdenden Fragen begleitet werden – mit dem Ziel, das Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaft zu festigen.

Es ist die Ambition des KWIS, diesen Herausforderungen gerecht zu werden, stets in Zusammenarbeit mit den Hochschulen und anderen Forschungsinstitutionen. Die Aufgaben des Zentrums ergeben sich aus der Verordnung des Hochschulrats. Es stützt sich auf den Kodex zur wissenschaftlichen Integrität, der zum Beispiel Entwicklungen wie die Digitalisierung berücksichtigt. Sie beruht auf vier Grundprinzipien: Verlässlichkeit, Redlichkeit, Respekt und Verantwortung.

«Das Zentrum dient als Meldeplattform für Hochschulen. Diese sind verpflichtet, Verstösse zu melden.»Viviane Premand

Wissenschaftliches Fehlverhalten kann in vielfältigen Formen auftreten, von der Vorspiegelung angeblicher Ergebnisse über die Fälschung von Daten bis zum Plagiat oder der Nichterwähnung einer Autorin oder eines Autors.

Das Zentrum dient einerseits als Meldeplattform für Hochschulen. Diese sind verpflichtet, Verstösse zu melden. Daraus ergibt sich eine Gesamtbeurteilung, die ich mit meinem Team jährlich für die wissenschaftliche Gemeinschaft und die Öffentlichkeit publiziere. Wir begleiten andererseits Institutionen, etwa mit Schulungen, um gute Praktiken auf nationaler Ebene zu harmonisieren. Hingegen ist es nicht unsere Aufgabe, Einzelpersonen zu beraten oder als Beschwerdestelle oder Gericht zu fungieren.» ra