LAWINENFORSCHUNG
Wie weit die Schneemassen reichen
Ein Modell berechnet, wann Bergstrassen wegen möglichen Lawinenabgängen gesperrt werden müssen.

Die Lawine im Dischmatal bei Davos im Jahr 2019 schaffte es bis zur Strasse. | Foto: Vali Meier
Bei Lawinengefahr die Strasse schliessen oder offen lassen? Das ist ein Abwägen zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit, oft auf viel Erfahrung beruhend und am Ende ein Bauchentscheid. Julia Glaus vom Institut für Schneeund Lawinenforschung in Davos versucht, mit Messungen und Simulationstools den Verantwortlichen ein Werkzeug für datenbasierte Entscheidungen zu geben.
Dafür nutzt sie ein Netzwerk an Messgeräten rund um Davos und speist deren Daten in Modelle ein. So kann sie die Lawinendynamik simulieren und eine Gefahrenabschätzung erstellen, beinahe in Echtzeit. «Die Modelle sind simpel und laufen für eine einzelne Lawine sogar auf einem Handy», sagt Glaus. Getestet hat sie ihr Modell bei Lawinensprengungen im Dischmatal. Für die weitere Anwendung bleibt die Installation von Messgeräten aber limitierend. Sie zeichnen die wichtigsten Lawinenparameter auf: Neuschneehöhe, Schneetemperatur und, ganz wichtig, den Wind. Bei genügend Messpunkten, mehrere im Tal und am Berg, zeigt das Modell, welche Strassenabschnitte von einer Lawine verschüttet werden könnten.
Mit dem Klimawandel wird der Schneefall weniger berechenbar. Lawinenabgänge allein anhand der Erfahrung der letzten fünfzig Jahre vorauszusagen, funktioniert nicht mehr. Umso wichtiger sind datengestützte Modelle. «Wir machen jetzt Schritt um Schritt vorwärts und prüfen, wie gut sich unsere Methoden auch auf andere Täler, Regionen und Kantone anwenden lassen», so Glaus.