STANDPUNKT
«Es geht ein Sendeplatz für Wissenschaft verloren»
Das Wissenschaftsmagazin von Radio SRF 2 wird auf Ende Jahr eingestellt. Otfried Jarren, emeritierter Professor für Kommunikationswissenschaft der Universität Zürich und ehemaliger Präsident der Eidgenössischen Medienkommission, hat eine der Petitionen dagegen mitinitiiert.

Die SRG sollte laut Otfried Jarren stärker mit Wissenschaftsinstitutionen zusammenarbeiten. | Bild: Christian Beutler / Keystone
Das Wissenschaftsmagazin von Radio SRF 2 wird auf Ende Jahr eingestellt. Das hat Anfang Februar 2025 zu zwei Petitionen geführt. Otfried Jarren, emeritierter Professor für Kommunikationswissenschaft der Universität Zürich und ehemaliger Präsident der Eidgenössischen Medienkommission, hat eine davon mitinitiiert.
Otfried Jarren, weshalb kämpfen Sie für das Wissenschaftsmagazin?
Es geht ein Sendeplatz für Wissenschaft verloren. Damit ist das Risiko einer Ressourcenreduktion verbunden. Die Struktur der Wissenschaftsredaktion darf nicht leiden, auch nicht die Qualität des Angebots.
Lohnt es sich, für ein Format zu kämpfen, das an Reichweite verliert?
Das ist in der Tat ambivalent. Die SRG hat recht, dass am Radio die Bindung über Musik erfolgt. Bei längeren Sprechbeiträgen schalten die Leute um. Und es stimmt: Wissenschaft ist kein einfacher Gegenstand. Andererseits: Verschwindet ein Format, ist nicht mehr klar, wo man Informationen über Wissenschaft finden kann, und die Community wird kleiner. Das darf nicht passieren.
Sie konnten im Petitionskomitee mit der SRF-Direktorin Nathalie Wappler sprechen. Was kam dabei heraus?
Ich muss anerkennend sagen, dass bei SRF eine hohe Sensibilität für wissenschaftliche Themen besteht. Die fachliche Kompetenz soll erhalten und stärker gebündelt werden. Die Produkte sollen in vielen Formaten Verbreitung finden. Das ist aus Sicht des Managements nachvollziehbar. Aber es besteht die Gefahr, dass die Fachlichkeit und die thematische Breite leiden. Es wird für die Journalistinnen schwieriger, Themen selbst zu wählen. Als Zulieferer müssen sie mehr auf die Aktualität reagieren. Das reicht für eine gute Wissenschaftsberichterstattung aber nicht aus.
Generell werden die Wissenschaftsredaktionen weniger und kleiner. Was kann die SRG tun, um die Qualität der Berichterstattung zu erhalten?
Die SRG sollte stärker mit Wissenschaftsinstitutionen zusammenarbeiten, den Hochschulen, dem SNF, den Akademien. Sie könnte eine Community aus Forschenden aufbauen, um früh von innovativen Vorhaben zu erfahren, Themenanregungen zu erhalten. Auch neue Vermittlungsformate könnten erprobt werden.
Sollen Forschungsinstitutionen eine Stiftung finanzieren, um den Wissenschaftsjournalismus in der Schweiz zu retten?
Die Idee ist alt und grundsätzlich nicht falsch. Nur: Auch von einer Stiftung unterstützte Produkte muss man publizieren können. Wenn es bei der WOZ klappt, macht dann die NZZ mit? Es gibt immer weniger Plätze für die Wissenschaft in der Presse. Und weshalb sollte eine Stiftung mit öffentlichen Mitteln Verlagshäuser finanzieren, gar subventionieren? Und: Werden stiftungsfinanzierte Beiträge auch als unabhängige journalistische Leistung wahrgenommen? Es gilt, die SRG in der Pflicht zu halten und bei diesem Service public zu unterstützen.