Streit um Grund für den Rückzug einer Studie
Science zieht eine Studie zurück, weil die Schlussfolgerungen widerlegt wurden. Das Fachmagazin setzt damit einen umstrittenen Präzedenzfall.

Im kalifornischen Natronsee Mono Lake wurden Bakterien gefunden, die angeblich mit Arsen anstatt Phosphor auskommen. Sowohl die Publikation als auch der Rückzug des entsprechenden Artikels, hat hohe Wellen geworfen. | Foto: Gregoire Thibaud / Unsplash
«Das ist Neuland», sagte Martyn Poliakoff, Chemieprofessor der Universität Nottingham, im Januar 2026 auf dem populären Youtube- Kanal Periodic Videos. Der Grund seines Erstaunens war das Vorgehen des Fachmagazins Science, das im Juli 2025 einen Artikel zurückzog, der fünfzehn Jahre zuvor hohe Wellen geschlagen hatte. Der Artikel zeigt, dass gewisse Bakterien das lebenswichtige chemische Element Phosphor im Falle eines Mangels durch das giftige Arsen ersetzen können. Das war so unglaublich, dass der Artikel schliesslich erst zusammen mit acht Kommentaren und einer Replik der Originalautorinnen publiziert wurde. Er löste heftige Gegenreaktionen aus – darunter auch persönliche Angriffe auf die Forschenden.
Zum sehr späten Rückzug des Artikels kam es nicht, weil jemand einen Fehler gemacht oder gar betrogen hätte. Das Fachmagazin begründete den Schritt in einem Blog: «Wegen der Hinweise, dass die Resultate auf Kontaminierungen basieren, ist Science davon überzeugt, dass die zentralen Schlussfolgerungen aufgrund mangelhafter Daten gezogen wurden.» Die erwähnten Hinweise stammten aus Replikationsstudien. Die Autorinnen und Autoren des Artikels protestierten: «Wir stehen zu den publizierten Daten. Sie wurden einem Peer-Review unterzogen, in der wissenschaftlichen Literatur debattiert und stimulierten produktive Forschung.»
Ariel Anbar, einer der Originalautoren und Chemiker der Arizona State University, räumte gegenüber Periodic Videos ein: «Der Artikel war etwas unscharf, was den PR-Abteilungen und den Medien – und auch gewissen Autoren – erlaubte, die Dinge weiter zu spinnen, als sie hätten gesponnen werden sollen.» Und er fügte an: «Die Debatte dreht sich eigentlich um die Interpretation – und die ist ein wesentlicher Bestandteil des wissenschaftlichen Prozesses.» Poliakoff, Aushängeschild von Periodic Videos, fragte sich, ob der Artikel stattdessen eher «eine Art Gesundheitswarnung» benötige. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Schlussfolgerungen richtig sind.