Ein Stapel mit bedrucktem Papier

Eine grosse Masse an Publikationen und Zitaten zeugt nicht unbedingt von einer soliden Forschungsarbeit. | Foto: iStock

Möglichst schnell möglichst viel zu publizieren, ist nur ein Teil des wissenschaftlichen Erfolges. Der neueste Artikel sollte auch von möglichst vielen anderen Forschenden zitiert werden, weil dies die Bedeutung der Arbeit belegt. Doch das kann ins Absurde kippen, wie der Wissenschaftsblog Retraction Watch am Beispiel von Thippa Reddy Gadekallu zeigt.

«Er hat den Impact aufgebläht, indem er ein Netzwerk von über 1000 Co-Autoren aufgebaut hat.»Retraction Watch

Der indische Computerwissenschaftler von der chinesischen Zhejiang A&F University war äusserst produktiv und publizierte innert zehn Jahren über 440 Fachartikel – im Jahr 2023 war es alle vier Tage ein Artikel. Bis 2025 wurden diese wiederum über 23 000 Mal zitiert. «Gadekallu hat seinen Impact aufgebläht, indem er ein Netzwerk von über 1000 Co-Autoren aufgebaut hat», findet Retraction Watch. Die Diagnose: Es handle sich um ein «Zitierkartell».

Wie das funktioniert, zeigt María de los Ángeles Oviedo García, Ökonomin an der Universität Sevilla auf For Better Science. Sie hat die Angaben zu den Herausgebenden studiert, die gewisse Wissenschaftsverlage wie Plos oder MPDI öffentlich machen. Darin zeigte sich, dass Gadekallu und seine Co- Autorinnen als Herausgebende bei den Fachzeitschriften arbeiteten und einander die Aufträge für Peer-Reviews von eingereichten Artikeln zuschanzten. In den Peer-Reviews wiederum verlangten sie, dass die Forschenden in den Einreichungen auf die Arbeiten ihrer Co-Autorinnen verweisen sollten. Oviedo García spricht deswegen von «erzwungenen Zitierungen». Und: «Die Zeitschriften und Verlage, wo die Co-Autoren Herausgeber waren, sollten überprüfen, ob es dieses Muster auch in anderen Fällen gab.»

«Ich verstehe total, dass es von aussen bedenklich aussieht, aber ich bestreite jegliche Koordination hinter verschlossenen Türen, Druck oder Austausch bezüglich Zitierungen.»Thippa Reddy Gadekallu

Ein anonymer Kommentar auf Retraction Watch sieht die Verantwortung ganz bei den Verlagen: «Weshalb auf einen einzelnen Forschenden fokussieren, wenn das Problem systemisch ist?» Der beschuldigte Forscher weist gegenüber Retraction Watch die Vorwürfe übrigens zurück: «Ich verstehe total, dass es von aussen bedenklich aussieht, aber ich bestreite jegliche Koordination hinter verschlossenen Türen, Druck oder Austausch bezüglich Zitierungen.»