Rechtspopulistische Kritik begünstigt Selbstzensur in der Forschung
Von Parteien wie der ungarischen Fidesz werden Forschende in Europa immer häufiger im Namen der wissenschaftlichen Qualität attackiert. Das führt zu Verunsicherung.

Die Kampagnen von Tamás Deutsch von der ungarischen Partei Fidesz gegen Forschung und solche mit ähnlicher rechtspopulitischer Schlagseite entmutigen Forschende in Europa. | Foto: Zoltan Balogh / EPA / keystone-sda
Tamás Deutsch, Europaabgeordneter und Angehöriger von Fidesz, der bis Mai 2026 regierenden rechtspopulistischen Partei Ungarns, forderte laut Online-Zeitung Science Business im Februar 2026 «die sofortige Einstellung von EU-Forschungsprogrammen, die weder zur technologischen Souveränität noch zur wissenschaftlichen Führungsrolle beitragen, Ressourcen vom technologischen Fortschritt abziehen und die Glaubwürdigkeit der Forschung in Europa untergraben».
Er nannte auch konkrete Projekte wie etwa eines zum queer-feministischen Widerstand oder zu geschlechtsspezifischen Argumenten im Rechtsextremismus. Sein Antrag zum kommenden Mehrjahresbudget übt Druck aus. Förderer und Forschende könnten damit beginnen, thematische Stossrichtungen vorsorglich anzupassen, weil sie fürchten, sonst Attacken von rechts zu triggern.
Das zumindest ist die Sorge von Jan Palmowski, dem Generalsekretär der Vereinigung forschungsintensiver europäischer Universitäten. «Wir sehen in den USA, wie schnell Einschüchterung und Änderungen in der Förderpolitik zu Verhaltensänderungen führen können», so Palmowski in Science Business. «Wir sollten uns vor den ersten Anzeichen davon in Europa hüten.» Gabi Lombardo, Direktorin der Europäischen Allianz für Sozial- und Geisteswissenschaften, pflichtet ihm bei.
Deutsch verkauft seine Forderung im Sinne der Bewahrung wissenschaftlicher Qualität. Diese Taktik ist kein Einzelfall. So warnte die Zeit zu Jahresbeginn, dass «Populisten die Schwächen des Wissenschaftsbetriebs gezielt ausschlachten». Es sei ein globales Muster, dass «Angreifer der Autonomie der Wissenschaft sich als Retter von Wissenschaftlichkeit und Wissenschaftsfreiheit tarnen». Das Risiko bleibt, dass sich die Forschenden mit Selbstzensur wappnen.