Kees Moeliker hat für Forschung zur Nekrophilie bei männlichen Enten den Ig-Nobelpreis für Biologie erhalten. | Foto: Anne Claire de Breij / Lumen Photo

Das Komitee für den Ig-Nobelpreis erhält jedes Jahr 9000 bis 10'000 Nominationen. Einziges Kriterium: Die Forschung soll zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken anregen. Kees Moeliker leitet das europäische Büro der «Annals of Improbable Research». Das satirische Magazin organisiert die jährliche Preisverleihung, die seit 1991 stets in den USA stattfand, dieses Mal aber am 3. September in Zürich.

Kees Moeliker, welcher Ig-Nobelpreis hat Sie besonders zum Lachen gebracht?

Forschende aus Italien und Afrika fanden 2024 heraus, dass die Lieblingsspeise bestimmter Eidechsen Pizza Quattro Formaggi ist. Vermutlich hatten sie eine gute Zeit in Togo am Strand und beobachteten die Tiere beim Verzehr der Essensreste. Ihre Erkenntnis ist lustig, regt aber auch dazu an, über die Anpassung von Tieren an die von Menschen geprägte Umgebung zu sinnieren.

Warum hat die Verleihung die USA verlassen?

Seit 35 Jahren reisen die Preisträger persönlich an. Letztes Jahr beschlossen vier Teams in letzter Minute, nicht zu kommen. Das war besorgniserregend. Und die Situation ist seither schlimmer geworden.

Hatten Sie selbst Bedenken, in die USA zu reisen?

Nein, aber ich möchte auch nicht. Die USA sind kein lustiges Land mehr. Menschen aus aller Welt sollen bei der Ig-Nobelverleihung eine gute Zeit haben und sich keine Sorgen um Reisebeschränkungen und Grenzpolitik machen. Wir können sie nicht guten Gewissens in die USA einladen.

Ist der Umzug auch ein Statement?

Ja. Wir sind nicht damit einverstanden, wie die US-Regierung mit der Wissenschaft, den Forschenden und den Menschen generell umgeht.

Warum gerade in die Schweiz?

Wir haben ein grosses Netzwerk in Europa und um Hilfe gefragt. Unsere Schweizer Freunde vom ETH-Bereich boten sofort Hand.

War nur das entscheidend?

Die Welt steht in Flammen. Es fühlt sich sicher an, die Zeremonie in diesem schönen neutralen Land abzuhalten. Die Neutralität trägt zur guten Atmosphäre bei. Wir wollen sie übrigens ab jetzt jedes gerade Jahr in Zürich und jedes ungerade Jahr in einer anderen europäischen Stadt durchführen. Wir wissen nicht, wann wir in die USA zurückkehren.

Bei der Verleihung sind jeweils Nobelpreisträger anwesend. Wer ist besonders humorvoll?

Roy Glauber, der 2005 den Nobelpreis für Physik erhalten hat und vor ein paar Jahren verstorben ist. Seit den Anfängen wischte er die Papierflieger zusammen, die das Publikum traditionell auf die Preistragenden wirft. Selbst nachdem er den Nobelpreis bekommen hatte, wischte er weiter. Darf ich Ihnen noch eine schöne Geschichte erzählen?

Natürlich.

Ihnen ist kaum bewusst, dass 2008 eine Eidgenössische Ethikkommission und die ganze Schweizer Bevölkerung den Friedens-Ig-Nobelpreis bekommen hat. Für den Entscheid, dass Pflanzen Würde besitzen. Sie sind also selbst eine Ig-Nobelpreisträgerin.