Fladenbrot tut dem Mikrobiom äthiopischer Dorfkinder gut
Kinder aus dem ländlichen Äthiopien haben ein vielfältigeres Darmmikrobiom als Kinder aus der Grossstadt. Was die Erklärung dafür sein könnte.

Zur vielfältigen Darmbesiedlung bei Dorfkindern in Äthiopien scheint das Getreide Teff beizutragen, das fermentiert zum Backen des traditionellen Fladenbrots verwendet wird. | Foto: iStock
Das Darmmikrobiom von äthiopischen Kindern, die in der Grossstadt aufwachsen, gleicht jenem von europäischen Kindern. Dies zeigte eine Studie der Universität Zürich. Vermutlich prägt der eher westliche Lebensstil der Stadtkinder die Darmbesiedlung. Zum Beispiel hatte es Bakterien, die einfache Zucker verwerten oder Resistenzgene gegenüber Antibiotika tragen. Anders bei äthiopischen Kinder vom Land: Ihr Darm war mehrheitlich von Keimen besiedelt, die pflanzliche und ballaststoffreiche Nahrung verwerten.
«Das Angebot an Süssigkeiten und zuckerhaltigen Getränken ist in äthiopischen Städten immens gewachsen», sagt Anne Müller. Die Mikrobiologin und ihr Team untersuchten für die Studie über 200 Stuhlproben von Kindern aus Adama, der zweitgrössten Stadt Äthiopiens. Das Ergebnis verglichen sie mit Daten von Kindern aus Italien und dem ländlichen Äthiopien. Diese Proben stammten aus einem Dorf, das nur rund 60 Kilometer von Adama entfernt liegt. «Dass sich das Mikrobiom dennoch so stark unterscheidet, hat uns überrascht», sagt Müller. Das Darmmikrobiom ist wichtig für unsere Gesundheit. Es unterstützt die Verdauung, beeinflusst den Stoffwechsel, trainiert das Immunsystem und schützt vor Infektionen. Je diverser die Besiedlung, desto ausgeprägter scheinen die günstigen Effekte zu sein. Kinder aus dem ländlichen Äthiopien hatten ein vielfältigeres Mikrobiom als die Stadtkinder. Ob sie tatsächlich auch weniger krank waren, wurde in der Studie nicht untersucht.
Zur vielfältigen Darmbesiedlung beizutragen schien das Getreide Teff, das fermentiert zum Backen des traditionellen Fladenbrots verwendet wird. Kinder aus dem ländlichen Äthiopien konsumierten mehr Teff als jene aus der Stadt. Aber auch bei Stadtkindern, die Teff assen, war der positive Effekt messbar. «Wir gehen davon aus, dass die fermentierenden Keime mit dem Brot in den Darm gelangen», sagt Müller. Das Mikrobiom von Teff-konsumierenden Kindern enthielt auch viele bisher unbeschriebene Bakterien. Ob genau diese zum gesunden Mikrobiom beitragen, will Müller noch erforschen.