Statt von Brain Dain sollte man von Brain Gain sprechen
Wenn Forschende im Ausland arbeiten, bringt das ihrer Heimat Gewinn. Das finden Forschende aus dem globalen Süden, die in Ländern des globalen Nordens ausgebildet wurden und führen in einer Studie die Gründe auf.

Dank dem Projekt Epiverse Trace-LAC für Epidemieanalyse wurden über 2000 Fachkräfte im Bereich der öffentlichen Gesundheit in Lateinamerika und der Karibik geschult. | Foto: TRACE-LAC
Vor dem Brain-Drain – also wörtlich übersetzt dem «Abfluss von Gehirn» – wird gewarnt: Er droht den USA. Der Brain-Drain wird auch beklagt: etwa in der Ukraine. Die Idee hinter dem Begriff: Forschende, die im Ausland arbeiten, sind für ihre Heimatländer verloren und können dort nicht mehr zu Innovation und Fortschritt beitragen. Die These wird in vielfältigen Kontexten angewandt, häufig auf Länder mit niedrigem Einkommen wie etwa Kolumbien, Indonesien, Kenia, Nigeria und Sierra Leone.
Forschende aus ebendiesen Staaten haben nun im Fachjournal Epidemics einen Artikel publiziert, in dem sie sich für ein Umdenken aussprechen. Man solle stattdessen vom Brain- Gain sprechen, also vom «Gewinn an Gehirn». Die Autorinnen und Autoren wurden alle zwischen 2015 and 2024 in Ländern des globalen Nordens ausgebildet.
Sie sind überzeugt, dass «Forschende aus dem globalen Süden als wichtige Brücken zwischen akademischen Welten dienen, indem sie unersetzliches Kontextwissen einbringen und gleichzeitig Kooperationsnetzwerke aufbauen, die die Forschung zur Epidemiologie von Infektionskrankheiten unabhängig vom geografischen Standort vorantreiben».
Auf dem News-Portal Research Professional werden im Paper diskutierte Beispiele zusammengefasst: Die Kolumbianerin Zulma M. Cucunubá ist Co-Leiterin eines Projekts, das Tools zur Epidemieanalyse entwickelt. Epiverse Trace-LAC hat zudem über 2000 Fachkräfte im Bereich der öffentlichen Gesundheit in Lateinamerika und der Karibik geschult. Bimandra Djaafara ist Mitgründer einer Forschungsgemeinschaft namens Indemic, die die Entwicklung von Infektionskrankheiten in Indonesien modelliert. Diese hatte als Whatsapp-Gruppe begonnen und führt mittlerweile regelmässig Seminare und Kooperationen in ganz Südostasien durch.