Sie galt als souveräne Führungskraft in Krisensituationen: Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hat nicht nur während der Corona-Pandemie, sondern auch nach dem Terrorangriff vom 15. März 2019 auf zwei Moscheen in Christchurch, Empathie und Entschlossenheit bewiesen. Als sie eine Woche später ein Freitagsgebet besuchte, trug sie als Zeichen der Solidarität ein Kopftuch. | Foto: Keystone/AP Photo/Vincent Thian

Weibliche Führungskräfte wie die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern bewältigten die Herausforderungen der Covid-19-Pandemie oft besser als männliche Kollegen – Medien führten das auf feminine Eigenschaften wie Empathie zurück. Eine Studie der Uni Genf überprüfte, ob die Bevölkerung deshalb in sozialen Krisen lieber eine Frau an der Spitze hätte: Dafür liessen sie fast 1700 Versuchspersonen die Leitung einer fiktiven Taskforce wählen.

«Das Ergebnis war unerwartet», sagt Erstautorin Ruri Takizawa. Zwar glaubten die meisten, dass die Position stereotype weibliche Eigenschaften verlangte. Dennoch präferierten sie genauso häufig einen Mann wie eine Frau. Das gleiche galt für einen anderen Job, der eher ste­reotype männliche Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen erforderte. «Traditionelle Geschlechterstereotype spielen in der Politik wohl eine geringere Rolle als gedacht», so Takizawa.

R. Takizawa et al.: Gender stereotypes may not influence the choice of female leaders: Experimental evidence from a crisis framed as social or economic during the Covid-19 pandemic. European Journal of Social Psychology (2024)