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Was einst das Goethe-Zitat für den Bildungsbürger war, sei heute die Nachhaltigkeit für Umweltbewusste: «ein wohlklingender Referenzpunkt ohne tiefere Bedeutung». Historiker Frank Uekötter stimmte in der Zeitschrift «Aus Politik und Zeitgeschichte» 2014 den Abgesang auf das inflationär gebrauchte Wort an. Auch die Uni Hildesheim mahnte 2020, es drohe Verlust der Aussagekraft durch populäre Nutzung. Stichwort: ausgelutschte Begriffshülse.

Der Begriff sei von Anfang an unscharf gewesen, erklärt Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski in einem Essay: Hans Carl von Carlowitz habe ihn im Deutschen zum ersten Mal verwendet, als er 1713 in seinem forstwirtschaftlichen Werk fragte, wie der Umgang mit Holz auf eine Weise gehe, «dass es eine beständige und nachhaltende Nutzung gebe». Sein Plan, Holz und Torf für die Metallverarbeitung im Erzgebirge auf lange Sicht sicherzustellen, gelte zwar zu Recht als wegweisend, findet Bojanowksi. Doch stehe dem das «Schwinden eines nicht erneuerbaren Rohstoffes gegenüber: der Erze». Der Begriff sei zu vieldeutig und verführe zu Etikettenschwindel. Journalistisch verwende er ihn nicht mehr.