Im Dienst einer Kolonialmacht
Die Armut trieb Tausende von Schweizern als Söldner nach Ostindien, wo sie Teil einer repressiven Kolonialherrschaft waren. Fast die Hälfte bezahlte das mit ihrem Leben.

Der Söldner im Bild ist gemäss seinen Nachfahren nicht in Kampfhandlungen verwickelt gewesen. | Foto: Schweizer Sozialarchiv
Seit dem Mittelalter leisteten Schweizer Soldaten Dienst für ausländische Kriegsherren. Später waren sie zunehmend in Übersee gefragt, etwa in Niederländisch-Ostindien, dem heutigen Indonesien. Hier traten von 1848 bis 1914 rund 5800 Schweizer Söldner in die Kolonialarmee ein, wie der Historiker Philipp Krauer ermittelt hat.
Sie trugen damit zur Herrschaft der niederländischen Kolonialmacht bei, und das oft mit brutalen Mitteln. «Einige Söldner steckten bei ihren Einsätzen Felder und ganze Dörfer in Brand und gingen gegen Plantagenarbeiter aus China und Java vor, während andere auf Aussenposten sassen», sagt der Forscher.
Für seine Dissertation an der ETH Zürich hat Krauer Quellen wie Schiffslisten, Briefe, Tagebücher und Memoiren ausgewertet. Meist waren die Soldaten jung, kamen aus ärmlichen Verhältnissen und standen ohne Perspektive da. Auch Abenteuerlust war für manche ein Motiv. Den Gemeinden kam die Emigration entgegen, da sie damit Unterstützungskosten sparen konnten. Wer nach zwölf Jahren zurückkehrte, erhielt von der Kolonialarmee eine kleine Pension und hoffte auf sozialen Aufstieg – oft vergebens.
Und: «In ihrem Umfeld verbreiteten die Veteranen Geschichten voller rassistischer Klischees», so Krauer. Für viele Auswanderer war der Abschied von der Heimat endgültig: Rund 45 Prozent starben noch im Dienst. Von den Überlebenden kehrten die meisten in die Schweiz zurück – nur wenige blieben in Übersee.