Warum wir überall Tiere erkennen
Ein Gesicht in der Felswand, ein Auto im QR-Code: Unser Hirn erkennt überall versteckte Formen. Zugrunde liegen zwei verschiedene kognitive Prozesse.

Bald hebt er sich in die Lüfte. Der Eagle Rock in Kalifornien wirkt wie eine Skulptur. | Foto: Shutterstock
Wer in einer Wolke einen Pottwal erkennt, muss nicht besorgt sein. Es handelt sich um ein normales Phänomen: Unser Gehirn erkennt ein vertrautes Objekt, wo keines ist. Dies haben Forschende nun genauer untersucht. Sie legten über 80 Probanden Naturbilder von Wolken oder Felsen sowie objektlose Hell-Dunkel- Strukturen vor. Die Anweisung lautete: «Zeichnen Sie alles, was Sie darin erkennen!» Bei beiden Bildtypen war die Anzahl der erkannten Objekte fast gleich.
«Unser Gehirn ist neurobiologisch darauf geeicht, niemals nichts zu sehen. Deswegen produziert es konstant Bilder, unabhängig davon, wie viel Struktur die Umwelt bietet», sagt Aleksandra Eberhard-Moscicka von der Universität Bern. Naturbilder erzeugten vor allem Illusionen aus der natürlichen Welt wie Gesichter.
Hier läuft die Verarbeitung von unten nach oben: Das Gehirn nimmt äussere Anhaltspunkte, etwa eine geschwungene Linie, und macht daraus ein Lebewesen. Im weissen Rauschen wurde eher Menschengemachtes wie Werkzeuge gesehen. Ein Prozess von oben nach unten: Mangels visueller Ankerpunkte greift das Gehirn auf innere Vorstellungen zu. Die häufigsten Illusionen waren in beiden Fällen Tiere. Der Mensch habe während der Evolution gelernt, Raub- oder Beutetiere blitzschnell zu identifizieren, so Nicole Göbel vom Universitätsspital Basel. Ähnliche Prozesse spielen vielleicht bei Halluzinationen eine Rolle.