Drei Mal Helium im Periodensystem ergibt HeHeHe

Wir haben diesen so einfachen wie klugen Witz bei der deutschen Plattform für Wissenschaftskommunikation abgekupfert. Weil wir gelacht haben, als wir es gesehen haben. Die Pointe funktioniert also bei der Redaktion. Bei Ihnen auch? | Bild: wissenschaftskommunikation.de / Bodara

Forschung ist ein wichtiges, im besten Fall leidenschaftlich, aber doch emotionslos ausgeführtes Unterfangen. Sicher kein Ort für Scherze. So jedenfalls das Klischee. Und doch: Was ist eigentlich der Grund dafür, dass viele wissenschaftliche Vorträge so lebendig sind «wie ein sediertes Faultier»? So eine internationale Gruppe von Forschenden in einer Arbeit. «Wo bleiben die Witze, die Wortspiele, die spielerische Vortragsweise?», fragt sich Stefano Mammola vom italienischen Consiglio Nazionale delle Ricerche. Der Titel des im März 2026 erschienenen Artikels: «Statistisch signifikantes Gekicher: Wer verwendet an wissenschaftlichen Konferenzen Humor?»

«Wissenschaftliche Professionalität wird stark mit Idealen wie Rationalität und Ernsthaftigkeit verbunden.»Stefano Mammola

Die Antwort: Scherzen werde oft gemieden, da es als «Ablenkung von einem strengen, objektiven Diskurs» gesehen werde. Es gehe um tief in der wissenschaftlichen Identität verwurzelte Normen, so Mammola auf Anfrage: «Wissenschaftliche Professionalität wird stark mit Idealen wie Objektivität, Rationalität, emotionaler Zurückhaltung und Ernsthaftigkeit verbunden.» Diese Eigenschaften seien zu Trägern von Autorität geworden, während Humor, Gefühle und Verspieltheit eher der persönlichen, also unprofessionellen Welt zugerechnet werden.

Da könnte man auch Freud bemühen. In einem Aufsatz nennt er den Ausweg ins Lachen einmal die «Abweisung des Anspruchs der Realität». Und diesen Anspruch nimmt man wohl nirgends so ernst wie in der Forschungswelt. Trotzdem gibt es auch in der Wissenschaft mal «Elemente der Nicht-Seriosität», eine hübsche Formulierung aus einem Paper, das komische Elemente im akademischen Schreiben unter die Lupe nimmt. Die polnische Linguistin Krystyna Warcha vertritt darin die Position, dass man Studierenden nicht nur formal korrektes Schreiben beibringen sollte, sondern auch humorvolles, da dies der akademischen Maske ein «menschlicheres Gesicht» verleihe.

Lustige Dozierende sind beliebter

Und das kann durchaus einen Unterschied machen. So ist beispielsweise längst gut belegt, dass sich Wissenschaft mit Witz besser vermitteln lässt, sei es unter Fachkolleginnen und -kollegen oder einem breiten Publikum. Eine 2018 in der Zeitschrift Plos One publizierte Umfrage unter Studierenden in 25 naturwissenschaftlichen Studiengängen ergab – wenig erstaunlich –, dass es 99 Prozent der Studierenden schätzten, wenn die Dozierenden ihre Vorträge mit Heiterkeit würzten.

Ebenso klare Zahlen lieferte eine 2021 in Behavioral Science erschienene Analyse von 2000 TED-Talks: Referenten, die bei der Beliebtheit punkten, setzen dreimal häufiger Komik ein als die weniger populäre Konkurrenz.

«Humor kann als soziale Währung fungieren. Gewisse Leute können ihn freier nutzen.»Stefano Mammola

Beim Einsatz von Humor gibt es eine interessante Asymmetrie zwischen den Geschlechtern, wie Mammola und seine Mitautorinnen beobachtet haben: Frauen setzen ihn seltener ein. Das bedeute natürlich nicht, dass Männer an sich lustiger seien.

Vielmehr lässt sich vermuten, dass es für Frauen riskanter ist, die Norm wissenschaftlichen Ernstes ein wenig zu strapazieren: «Humor kann als eine Art soziale Währung fungieren», findet daher Mammola. «Gewisse Leute können ihn freier nutzen, und er erhöht ihre Beliebtheit, die Aufmerksamkeit des Publikums sowie die Einprägsamkeit des Vortrags.» Aber nicht alle haben die gleiche Narrenfreiheit: «Humor verstärkt bereits existierende Vorteile.»

«Im Gegensatz zur Wissenschaft braucht Humor oft Mehrdeutigkeit und Überraschung.»Nils Althaus

Der Schweizer Autor und Kabarettist Nils Althaus, der einen Masterabschluss in Biochemie und Molekularbiologie hat, erklärt im Interview den Gegensatz von Wissenschaftlichkeit und Humor nochmals anders. Mit Bezug auf den Philosophen Karl Popper sagt er: «Forschende versuchen eigentlich ständig, sich gegenseitig zu widerlegen. Das funktioniert aber nur, wenn die Aussagen eindeutig sind.» Es ist eine nüchterne Betrachtung der Welt. «Humor braucht oft das Gegenteil: Mehrdeutigkeit und Überraschung», so Althaus.

Dass gerade Aufklärer wie Voltaire gern zum Mittel der Satire gegriffen haben, dürfte auf den ersten Blick ein wenig überraschen. Man nutzte sie aber gerne zur Kritik an gesellschaftlichen Missständen, Fanatismus und Aberglauben und zur «Erziehung der Vernunft», wie man es damals nannte. In seinem Buch «Universität in der Karikatur » versammelt der deutsche Kunsthistoriker Michael Klant nun aber eine Unzahl grafischer wie textlicher Beispiele, wie über Studierende, Dozierende und überhaupt die Wissenschaft hergezogen wurde, quer durch die Jahrhunderte. Von innen wie von aussen.

Wer Satire erntet, darf stolz sein

Und rasch wird klar: Wer Spott auf sich zieht, der darf sich durchaus etwas darauf einbilden. Denn Satire zielt mit Vorliebe auf diejenigen, die eine ausgesuchte, eine mächtige gesellschaftliche Position innehaben. So gesehen überrascht Voltaires Biss dann doch nicht mehr. Wenn also Forschung und Wissenschaft nach wie vor häufig in satirischen Formaten auftauchen – neu zum Beispiel auch in Late Night Shows –, dann spricht das ganz und gar nicht gegen sie.

Freud wusste auch: Neben dem Ätzenden, Aggressiven hat Humor einen defensiven Charakter. Er dient als Ventil, um angestaute emotionale Spannungen abzubauen. Wenn Forschende also selbst Spass treiben, dann wohl nicht nur, um ihre Botschaft besser rüberzubringen oder überhaupt ein wenig Aufmerksamkeit im ewigen Konkurrenzkampf auf sich zu ziehen. Sondern manchmal schlicht und einfach, um mit den alles andere als einfachen Bedingungen zurechtzukommen.

Überdruckventil bei Spannungen

Dazu passt ein Phänomen aus China, über das Nature im Mai 2026 berichtete. Dort schiessen unsinnige Zeitschriften wie Pilze aus dem Boden. Das Original namens «Rubbish» war von einem Masterstudenten in Biologie lanciert worden. Seine Inspiration war ein Social-Media- Kommentar zum Foto eines missglückten Experiments gewesen, in dem vorgeschlagen wurde, das Resultat einfach in «Rubbish» zu publizieren. Gesagt, getan.

Seitdem florieren laut Nature die sogenannten Bottom-Journals, wie sie als Gegensatz zu den Top-Journals genannt werden. Diese sind auf einer Internetseite mit dem Namen «Web of Absurd» gelistet und genau wie beim seriösen «Web of Science» mit einem Impact Factor versehen. Wobei genau dies wiederum als weitere Kritik am System gesehen werden kann.

«Der Druck, in guten Journals zu publizieren, ist in China noch viel grösser als bei uns.»Jessica Imbach

Die Sinologin Jessica Imbach von der Universität Freiburg kann diesem Umgang mit den Absurditäten, die der akademische Betrieb generiert, durchaus etwas abgewinnen – auch aus eigener Erfahrung. Sie hält diese Art humorvoller Behandlung von zweifelhaften Strukturen und Anreizsystemen für kein spezifisch chinesisches Phänomen, wie sie im Gespräch erklärt: «Aber natürlich ist der Druck, in guten Journals zu publizieren, in China noch viel grösser als bei uns.»

Nun addiere man noch die Desillusionierung, was die versprochene «meritokratische Utopie» angeht: Studium, erfolgreiche Forschungskarriere, gutes Geld verdienen, sich eine schöne Wohung leisten. So gesehen müsse das Sich-lustig-Machen gar nicht mal allzu politisch gemeint sein. Imbach erkennt eher Ironisierung als Satire: Man treibt Absurditäten auf die Spitze.

«Diejenigen, die ihrem Publikum nicht zuhören, sind selten witzig.»Jessamyn Fairfield

Sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, kann also das Forschendenleben ein wenig einfacher und stressärmer machen. Doch zurück zur Idee, dass Komik helfen kann, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, weil sie der Wissenschaft menschlichere Züge verleiht. Da lauert wieder Absturzgefahr, weiss Nils Althaus: «Ich empfinde es als anspruchsvoll. Eine wichtige Zutat für Humor ist gemeinsames Wissen. Jeder kennt beispielsweise die Klischees über Frauen und Männer, deshalb funktionieren diese Witze so zuverlässig. Bei wissenschaftlichen Themen muss man sich dieses Spielfeld erst erarbeiten.»

Hier bietet sich aber Raum für Dialog. So schrieb die Physikerin und Wissenschaftsvermittlerin Jessamyn Fairfield 2023 im Nachgang der Covid-Pandemie in einem Kommentar im Fachmagazin Physics: Wenn die Wissenschaftler gehört werden wollten, müssten sie auch zuhören. Das wüssten zum Beispiel die Comedians: «Diejenigen, die ihrem Publikum nicht zuhören und nicht auf es eingehen, sind selten witzig.»