Laura Bernardi, Vizepräsidentin des Nationalen Forschungsrats des SNF. | Foto: Université de Lausanne

Viele fragen sich angesichts des gesellschaftlichen und geopolitischen Drucks, ob die knappen Ressourcen weiterhin zur Förderung einer von Neugier getriebenen Wissenschaft eingesetzt werden oder vornehmlich in anwendungsorientierte Forschung fliessen sollten. Die Frage ist legitim. Doch Grundlagenforschung ist gerade in einer Zeit des raschen Wandels unersetzlich:

  1. Entdeckungen bedingen Grundlagenforschung, denn wissenschaftliche Durchbrüche erfolgen selten linear und sind kaum planbar. Sie resultieren aus einem komplexen Geflecht von Fragen, die zu Beginn häufig nutzlos scheinen. Der Laser, einst eine «Lösung auf der Suche nach einem Problem», ist heute die Basis von Telekommunikation und Medizin. Wir müssen die Wissenschaft dauerhaft fördern – im Vertrauen darauf, dass sie immer wieder Durchbrüche erzielt.
  2. Gesellschaftlicher Wohlstand erfordert Grundlagenforschung. Länder, die viel in Forschung und Entwicklung investieren und in denen mehr Forschende arbeiten, generieren mehr Innovation und Wachstum. Dies wird immer wieder durch Daten bestätigt, die auch zeigen: Stabile Förderung bringt mehr, als sie kostet.
  3. Grundlagenforschung befähigt die nächste Generation, Unvorhersehbares zu bewältigen. Sie schafft nicht nur Wissen, sondern auch verlässliche Methoden. Junge Forschende, die an neugiergetriebenen Projekten mitarbeiten, erlernen Kreativität und Urteilskraft. Diese Investition kommt nicht nur der Bildung zugute, sondern auch in Sektoren wie Industrie und Verwaltung.
  4. Von der Grundlagenforschung profitiert nicht ein Privatinvestor, sondern die ganze Gesellschaft, manchmal Jahrzehnte später, oft in ganz anderen Anwendungsbereichen. Diese Langfristigkeit hält private Unternehmen davon ab, grosse Summen in Zukunftsprojekte zu investieren. Ihre Rolle kommt später in der Entwicklungspipeline zum Tragen. Doch ohne grundlegende Entdeckungen versiegt ihre Innovationsquelle. Das Internet, GPS und MRNA-Impfstoffe begannen als neugiergetriebene Untersuchungen mit öffentlicher Förderung. Die Gesellschaft wurde tausendfach dafür entschädigt.
«Das Internet, GPS und MRNA-Impfstoffe begannen als neugiergetriebene Untersuchungen mit öffentlicher Förderung.»

Eine Kürzung der öffentlichen Mittel für die Grundlagenforschung kann Labors zum Aufgeben zwingen, Talente vertreiben und jahrelang erarbeitete Fortschritte zunichtemachen. Institutionen wie der Schweizerische Nationalfonds haben die Aufgabe, mit kompetitiven, strengen Evaluationen exzellente Grundlagenforschung zu finanzieren – und zu zeigen, dass dieses Geld nicht verschwendet wird, sondern Wissen und Wohlstand für alle schafft.