Während der Geburt kann es zu Situationen kommen, die Frauen traumatisieren. | Foto: iStockphoto

«Intrusive Erinnerungen nach einer traumatischen Geburt sind vielfältig und betreffen oft mehrere Sinne», erklärt die Psychologin Déborah Fort, die demnächst ihre Dissertation darüber an der Universität Lausanne abschliessen wird. Die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) durch die Entbindung sind unzureichend dokumentiert. Die Forscherin analysierte fast 300 wiederkehrende Erinnerungen wie quälende Bilder, Empfindungen oder Emotionen, die 44 Frauen nach einer traumatischen Geburt während 14 Tagen aufgezeichnet haben.

Dabei konnte sie sechs Kategorien identifizieren, die aufdringliche Erinnerungen und Flashbacks auslösten: der eigentliche physische Prozess der Geburt, insbesondere die Wehen oder andere Schmerzen, medizinische Eingriffe, Angst, Wut oder andere negative Emotionen, die Wahrnehmung von Komplikationen, belastende Interaktionen und die physische Umgebung wie der Operationssaal oder der Aufwachraum. «Diese Kategorien könnten in der psychologischen Beratung als Anhaltspunkte dienen, um Mütter in psychischer Not schneller erkennen und unterstützen zu können», hofft Fort.

«Das Leiden wird in all diesen Fällen durch den Eindruck verstärkt, dass sich die Erinnerungen hier und jetzt abspielen.»Antje Horsch

Für Antje Horsch, Professorin für Forschung in der Pflege an der Universität Lausanne, geht es dabei um ein relevantes Thema der öffentlichen Gesundheit. Sie arbeitet zudem in der Abteilung für Frauen, Mütter und Kinder am Universitätsspital Lausanne und verweist auf internationale Schätzungen, wonach «ein Drittel der Frauen die Geburt als traumatisch erlebt – unabhängig von Land, Kultur und Gesundheitssystem».

Es sei zudem wichtig, die «subjektive Erfahrung in den Mittelpunkt zu rücken», weil eine Geburt auch dann als traumatisch empfunden werden kann, wenn es keine medizinischen Komplikationen gab. Zwölf Prozent der Frauen entwickeln nach einer Geburt eine PTBS, deren Symptome ähnlich seien wie bei Menschen mit anderen Traumata, ausgelöst etwa durch Gewalt oder Krieg, so Horsch. «Das Leiden wird in all diesen Fällen durch den Eindruck verstärkt, dass sich die Erinnerungen hier und jetzt abspielen», schliesst Fort.

D. Fort et al.: A mixed-methods study of childbirth-related intrusive memories and their relationship with posttraumatic stress symptoms. Journal of Reproductive and Infant Psychology (2026)