Illustration mit Lupe, Mund und Bleistift.

Celestin Mutuyimana forscht an der Universität Zürich zum Thema Trauma, ist Mitglied des Präsidiums der Jungen Akademie Schweiz und hat den Film «Hear My Voice» gedreht. | Illustration: Klub Galopp

Ich hätte nie gedacht, dass es eine der schwierigsten und lehrreichsten Erfahrungen meiner akademischen Laufbahn werden würde, einen Film zu drehen. In meiner Forschung zu Traumaüberlebenden habe ich die Teilnehmenden mit einbezogen. Sie schilderten nicht nur ihre Erfahrungen, sondern trugen auch zu Lösungen bei. Ich habe sie als Expertinnen und Experten für ihr eigenes Leben anerkannt. Viele waren sofort bereit, mitzuwirken, um sich selbst und anderen Betroffenen eine Stimme zu geben.

«Die Antwort auf meine wissenschaftlichen Förderanträge ist jeweils höflich, aber ernüchternd.»

Mit ihrer für alle zugänglichen Sprache vermitteln Filme die Forschungsergebnisse einem breiten Publikum. Technische Berichte und Statistiken können für die Sinne sichtbar, hörbar und spürbar gemacht werden. Aus Zahlen werden wieder Menschen, und Daten verwandeln sich in Geschichten, die Empathie auslösen, Bewusstsein schaffen und den Dialog fördern. Mit klassischen akademischen Veröffentlichungen ist das schwierig.

Die Antwort auf meine wissenschaftlichen Förderanträge ist jeweils höflich, aber ernüchternd: «Wir denken, dass Ihr Projekt besser für Kunst- oder Filmförderprogramme geeignet ist.» Wende ich mich dorthin, heisst es ebenso frustrierend: «Ihr Thema passt besser in die Forschungsförderung.»

«Manchmal kann nur eine Kamera die Welt wirklich erreichen.»

An einer Konferenz reichte ich einen 20-minütigen wissenschaftlichen Film ein. Ich erhielt jedoch nur zwei bis drei Minuten. Alle Power-Point-Präsentationen – das einzige Kommunikationsmittel, für das wir ausgebildet werden – erhielten die vollen 20 Minuten. Filme werden als reine Öffentlichkeitsarbeit betrachtet, nicht als legitimes wissenschaftliches Ergebnis. Wissenschaftliche Filme sind in der akademischen Welt weder zitierfähig noch anerkannt. Sie entstehen abends oder am Wochenende, auf eigene Kosten.

Dabei können sie komplexe Erkenntnisse in verständliche Erzählungen übersetzen, politische Verantwortliche erreichen, Debatten versachlichen und den gesellschaftlichen Impact vergrössern, wie es die hiesige Wissenschaft schätzt. Dafür braucht es neue Reglemente. Dies würde den Forschenden die notwendigen Instrumente zugänglich machen und die führende Position der Schweiz in der innovativen, gesellschaftlich engagierten Forschung festigen. Manchmal kann nur eine Kamera die Welt wirklich erreichen. Sagen Sie es weiter!