Perlen der Ahnen im rechten Licht
Die Bandinseln wurden im 17. Jahrhundert wegen Gewürzen und Perlen ausgebeutet, die Bevölkerung vor Ort ermordet, stattdessen versklavte Menschen angeschifft. Strassenkünstler erinnern heute daran.

Künstler Nukis Ururgrossvater handelte mit Perlen, symbolisiert durch die gelben Kreise. | Foto: Patricia Spyer
Drei gelbe Figuren gleiten in einem traditionellen Kanu scheinbar gleichgültig am Strassenkünstler vorbei, der mit Pinsel und Farbe ihre Geschichte erzählt. Unter dem Künstlernamen Nuki malt er ein sogenanntes Mural an die Fassade des Hauses seiner Grossmutter. Es sei eine «Hommage an seine Vorfahren», wie er der Anthropologin Patricia Spyer erzählt hat. Diese forscht unter anderem auf den Banda-Inseln im östlichen Indonesien zu Strassenkunst.
Nuki setzt sich in seinen Wandmalereien mit seiner Familiengeschichte auseinander. Das Mural zeigt seinen Ururgrossvater und dessen Brüder. Sie handelten im 19. Jahrhundert mit Perlen, symbolisiert durch die gelben Kreise unter- und oberhalb des Kanus. So erlangten sie Wohlstand und Ansehen. Das Kamerateam, das Nuki begleitet, erstellt mit Spyer und der indonesischen Filmemacherin Ratih Prebatasari ein ethnografisches Stück über bandanesische Kunstschaffende. «Die tiefe Verbundenheit mit ihrer Heimat und ihr ausgeprägtes Interesse an der von kolonialer Herrschaft geprägten Geschichte der Inseln werden in fast allen ihren Werken sichtbar», so Spyer.
Im 17. Jahrhundert war der heute abgeschiedene Archipel ein Zentrum europäischer Rivalitäten. Um die sogenannten Gewürzinseln zu behalten, traten die niederländischen Kolonialherrschenden ihre Siedlung Nieuw Amsterdam mit 2000 Einwohnenden auf der Halbinsel Manhattan definitiv an England ab. Für die englische Krone war das ein gutes Geschäft, das spätere New York wurde essenziell für das britische Imperium. Die Handelsmächte gingen brutal vor. Um Reichtümer wie Perlen und Muskatnussplantagen zu kontrollieren, töteten sie einen Grossteil der Bevölkerung und brachten versklavte Menschen aus anderen Teilen des Reiches auf die Inseln.
Das prägt die Gesellschaft in der Bandasee bis heute. «Wie inklusiv und mit viel Leidenschaft und Engagement» die Kunstschaffenden in der diversen Gesellschaft agieren, will Spyer in ihrem Film zeigen. «Mit ihren Werken wollen sie nicht nur an ihre Geschichte erinnern, sondern sich auch eine bessere Zukunft ausmalen.»